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DIE ABENTEUER DES PINOCCHIOS

Die langlebige Geschichte von Pinocchio ist heute mehr als hundert Jahre alt. Diese Figur, Kind und Marionette zugleich, verbirgt die Faszination des toten Stoffs, der geheimnisvollerweise zum Leben erweckt wird. Pinocchio hat über die Jahrzehnte, Grenzen und Kulturen und die verschiedensten Ausdrucksformen hindurch nie seine ganz spezifischen Merkmale, die ihn gleich erkennbar und beliebt bei Jung und Alt in der ganzen Welt machen, verloren.
Das kann von der Nationalen Stiftung 'CARLO COLLODI` aufgrund der Erfahrungen und dem umfangreichen kulturellen Erbe, welche sie in ihrer über 40 jährigen Tätigkeit gesammelt haben, nur unterstrichen werden.
Dabei widmet die Stiftung ihre Haupttätigkeit dem Bekanntmachen und der weltweiten Verbreitung des Lorenzinischen/Collodischen Werkes.
Am 7. Juli 1881 erschien in einer der ersten italienischen Wochenzeitungen für Kinder, und zwar im 'Il giornale per bambini`, der erste Teil von 'Die Geschichte einer Marionette' von Collodi. Nach ein paar Monaten endeten die Fortsetzungen der Geschichte mit dem Kapitel XVI an der Stelle, wo Pinocchio sterbend am Ast der grossen Eiche hängt. .Aufgrund der unerhört großen Nachfrage der Leser wurde die Geschichte am 16. Februar 1882 unter dem Titel 'Die Abenteuer des Pinocchios' bis zur Vollendung des Buches im Januar 1883 weiter erzählt. Gleich nach der letzten Fortsetzung erschien noch im selben Jahr-1883- das Buch als Erstausgabe.
1890 - das Jahr, in dem Carlo Collodi starb, hatte sein Buch bereits die fünfte Auflage erreicht. Seit dieser Zeit hat sich die Verbreitung des Buches auf allen bedeutenden Märkten der Kinderliteratur weltweit durchgesetzt und hält bis in die heutige Zeit an.
1891 erscheint in Großbritannien das von Mazzanti illustrierte Buch und wird mit großer Begeisterung aufgenommen. Kein geringer Erfolg, handelt es sich doch hierbei um die Heimat der Kinderbücher. In den USA erscheint es 1898 zum ersten Mal, wird aber erst 1904 von den Amerikanern Walter S. Cramp und Charles Copeland übersetzt und illustriert.
Von diesem Moment an, lange vor dem großen Welterfolg Pinocchios durch Walt Disney, gehört 'Die Abenteuer einer Marionette' zu den Lieblingskinderbüchern vieler Amerikaner und stellt gleichzeitig eine wichtige Etappe für viele Kinderbuchillustratoren dar. Gemeinsam mit den englischen Ausgaben trugen die amerikanischen dazu bei, Pinocchio auch in den von Italien kulturell entfernteren Ländern, wie z.B. Island und Asien, bekannt zu machen.
In Deutschland erschien 1905 das Buch 'Zapfelkerns Abenteuer' von Otto Julius Bierbaum, welches eine Neugestaltung der 'Abenteuer von Pinocchio' war. Und im Jahre 1902 wurde die erste französische Ausgabe veröffentlicht.
Zwischen 1911 und dem zweiten Weltkrieg wurde das Buch in alle europäischen Sprachen übersetzt, und zahlreiche Übersetzungen erschienen auch in Asien, Afrika und Ozeanien.
Von Pinocchio haben all jene sofort Besitz ergriffen, die mit neuen Kommunikationsmitteln arbeiteten: neben dem kreativen Anstoß garantierten ganz sicher auch der Erfolg der Figur und der Geschichte einen Zugang zur Durchsetzung neuer Darstellungsformen, mit denen das Publikum erst vertraut gemacht werden mußte.
Nachdem mit Pinocchio eine neue Gattung der Kinderliteratur begrüßt worden war (neu vor allem in dem Geist, der es beseelte), wurde er von einem der Pioniere des Kinos, Graf Giulio Cesare Antamoro, als Filmprojekt angenommen. Er stellte die Geschichte in einem dreißig Minuten dauernden, mit der Hand kolorierten Stummfilm dar, dessen Hauptdarsteller ein damals berühmter Schauspieler des Kabarets 'Polydor' war. Erst kürzlich wurde dieser Film in seiner fast vollständigen Version wiedergefunden und rekonstruiert.
Im Jahr 1932 wurde Pinocchio zur Hauptfigur in einem japanischen Puppenspielfilm, bei dessen Realisierung der Regisseur Noburo Ofujineue neue Experimentaltechniken einsetzte.
In Italien experimentierte man zu dieser Zeit mit der Herstellung von Zeichentrickfilmen, auch bereits in Farbe, wobei das Drehbuch immer auf der Geschichte des Burattinos basierte. Auch die Walt Disney Produktion im Jahre 1940 bot die Möglichkeit, neue Techniken des Zeichentrickfilms auszuprobieren. Zur gleichen Zeit wurden in der Sowjetunion zahlreiche Versionen, sowohl als Zeichentrickfilm als auch als Puppenspielfilm, nach Aleksej N. Tolstojs Neufassung von Pinocchio 'Das goldene Schlüsselchen' produziert.
Insgesamt können siebzehn verschiedene Verfilmungen der Geschichte Pinocchios gezählt werden, jedoch kommen andere Filme hinzu, in denen immer wieder in irgendeiner Form Bezug genommen wird auf die Geschichte Pinocchios, so z.B. in dem in Italien sehr gefeierten Film mit Toto mit dem Titel 'Toto in Farbe'.
Im Bereich der neueren Verfilmungen sind zwei Werke erwähnenswert: eine englische Filmproduktion unter der Regie von Steve Barron, welche im Herbst/ Winter 1996 erstmals erschien, und ein Projekt von Francis Ford Coppola, an dem momentan noch gearbeitet wird.
Heutzutage wird Pinocchio immer öfter als Darsteller für die Durchsetzung und Förderung multimedialer Produkte verwendet, um diese dem breiten Publikum auf diese Weise näherzubringen. Angefangen von der Geschichte Pinocchios auf der Diskette bis hin zu umfassenden mehrsprachigen Produktionen, in denen das Bild nach Belieben in Bewegung gesetzt werden kann oder der Betrachter zwischen zwei parallelen Geschichten hin und her springen kann. Die Möglichkeit, sich dabei eine Sprache auswählen zu können, hat vor allem eine didaktische Funktion. Vor allem Kinder, die mit der Geschichte bereits vertraut sind, werden allein durch das Vergnügen, die Geschichte in einer neuen Form präsentiert zu bekommen, motiviert. Dadurch ist es ihnen auch leichter möglich, sich einer Fremdsprache spielerisch anzunähern.
In diesem Zusammenhang sei auch die CD-TV des Giunti Multimedia Verlags erwähnt, welche die Geschichte in sechs europäischen Sprachen und in Form von Videospielen enthält. Diese Videospiele sind nach den Originalzeichnungen von Leonardo Mattioli gestaltet worden, der 'Die Abenteuer von Pinocchio' in der Vallecchi Ausgabe von 1955 illustrierte, welche vom Kommitee der heutigen Stiftung 'Carlo Collodi' zum Gedenken an Pinocchio in Auftrag gegeben worden war.